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Die Macht der Sprache

Politik achtet viel zu wenig auf Sprache. Und das, obwohl Sprache genau das ist, was Wirklichkeit schafft. Jahrtausende erzählen wir uns Geschichten und formen damit überhaupt erst Wirklichkeit. Wer die Realitäten, wer unsere Lebensumstände beschreiben will, muss Sprache pointiert verwenden. Und dabei kommt es darauf an, was beim Hörer tatsächlich ankommt, nicht was der Sender mit seiner Rede beabsichtigt hat. In der Kommunikation geht es nicht um die Aneinanderreihung einzelner Buchstaben, sondern um das Schaffen von Bildern. Bilder, die beim Zuhörer etwas auslösen: Freude, Mitleid, Motivation. Kurz: Emotionen. Besonders in Wahlkämpfen begegnen uns aber belanglose Slogans, weichgespülte Claims, Faktenreihungen à la “Gute Arbeit”, “Studiengebühren abgeschafft” oder “Betragsfreies Kitajahr”. Wen sollen die berühren? Die Macht der Sprache erzeugt etwas Faktisches: “Das Boot ist voll”, obwohl es rein statistisch kein signifikantes Problem gibt. “Zwangskita”, obwohl niemand ein Verpflichtung geplant hatte. Wer lieblos Sprache und die erzeugten Bilder als Beiwerk betrachtet, überlässt unsere Demokratie langfristig den Demagogen. Denn in unserer durch und durch von den Medien geprägten Welt halten wir für wahr, was wir im Fernsehen gesehen haben.

Kampagnentrends Nr. 21