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politik&kommunikation ist das einzige deutsche Fachmagazin für politische Kommunikation. Für p&k analysieren die Autoren der Kampagnenpraxis, wie Politiker das Internet für Ihre Kampagnen nutzen können

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Gauck hat’s verstanden

Warum wurde Joachim Gauck diesen Sommer zum Internet-Shootingstar? Eigentlich sprach alles dagegen. Er ist schon älter und hatte sich dazu bekannt, das Internet kaum zu nutzen. Und doch gründeten etliche Personen Facebookgruppen, starteten Twitterkampagnen, verschickten Unterstützungsmails im Freundeskreis und forderten in Foren zu seiner Wahl auf. Alles, wovon Online-Campaigner träumen.

Gauck inspirierte. Er verkörperte das, was Bürger eigentlich von einem Politiker erwarten. Er zeigte den Menschen einen politischen Weg auf, der über den Zeitgeist der Meinungsumfragen und über parlamentarische Taktik hinausführte. Damit bewegte er die Leute, von sich aus aktiv zu werden. Ohne diese Grundlage kann keine handwerklich noch so professionelle Kampagne vom Boden abheben. Gauck hatte den Mut, die Leute einfach machen zu lassen. Er hatte keine Angst vor dem Unkontrollierbaren einer Bewegung. Er versuchte nicht zu überwachen. Er hatte die Leute bereits hinter einem gemeinsamen Anliegen und einer gemeinsamen Botschaft versammelt. Nun taten alle für dieses Ziel, was sie konnten. Und Gauck wusste den Leuten danke zu sagen, dass sie im Internet in seinem Namen aktiv waren, weil er das selbst nicht gekonnt hätte.

Kampagnentrends Nr. 2