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politik&kommunikation ist das einzige deutsche Fachmagazin für politische Kommunikation. Für p&k analysieren die Autoren der Kampagnenpraxis, wie Politiker das Internet für Ihre Kampagnen nutzen können

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Großhirn hat Pause

Auch wenn unser Großhirn prima mit Fakten umgehen kann, Argumente des
Für und Widerers einer politischenIdee versteht, “10 gute Gründe” für

eine Partei aufnehmen und verarbeiten kann, es trägt nicht zum guten
Gefühl bei. Denn wir reagieren auf Kommunikation auch mit einem weiteren
Teil unserer grauen Zellen: Im Limbischen System entstehen Freude,
Angst, Zuneigung oder Aufmerksamkeit. Und das Besondere: Dieser Teil des
Oberstübchens verarbeitet nicht nur alle Emotionen, es trifft auch die
Entscheidungen. Das Großhirn hat Pause, Wahlentscheidungen eingeschlossen.

Daher müssen Beiträge in Sozialen Netzwerken Emotionen zeigen. Ohne
Gefühlsregungen stellt sich bei Fans und Followern kein Handeln ein, der
Beitrag wird von Unterstützern im Freundeskreis nicht weitergetragen.

Reichweite in sozialen Netzwerken hat nur, wer Viralität auslöst.
“Weitersagen” ist auch online der Erfolgsfaktor, wie schon der
“Mundfunk” von Johannes Rau. Ein paar hundert Fans mit Fakten zu
informieren, ist zu wenig, verglichen mit den Lesern einer Zeitung oder
den Zuschauern eines Talks im 3. Programm. Bieten wir Followern und
Facebook-Freunden jedoch etwas an, was sie in Stimmung bringt, es mit
ihrem Freundeskreis zu teilen, dann potenziert sich die Reichweite
schnell auf ein paar Zehn- oder Hunderttausend.

Facebook, Twitter und Co. kommen ohne Emotionen nicht aus, weil wir nur
das weitersagen, was uns berührt.

Kampagnentrends Nr. 25