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Politik an der Haustür

Agenturen reden gerne von Messbarkeit und Auflagen. Die Logik von
Waschmittelwerbung – Claim, schönes Foto und dann wiederholen,
wiederholen, wiederholen – wird damit auf die Politik übertragen. Das ist
zwar nicht völlig falsch, aber nur ein Bruchteil der Wahrheit. Denn am
Abstimmungssonntag geht es um Mobilisierung. Und das erreicht man weder
durch Facebook-Likes noch durch hohe Auflagen, sondern mit direkten
Wählerkontakten. Das haben die Schwedischen Sozialdemokraten erkannt.
Ihre Maßeinheit im Wahlkampf war die Anzahl «Wählerkontakte». Darauf
haben sie ihre Kampagne ausgerichtet und bei den Wählern zu Hause an
die Türen geklopft. Das war auch in der Schweiz vor dreißig Jahren noch
gang und gäbe. Heute aber scheuen Politiker die Haustür wie der Teufel
das Weihwasser. Die Argumente sind immer die gleichen. Die Leute wollen
das nicht. Punkt. Das basiert aber nicht auf langjähriger Erfahrung und
gescheiterten Versuchen. Es wird einfach als Tatsache hingenommen. Ich
glaube das nicht. Und bis nicht wieder eine Partei von Tür zu Tür gegangen
ist und es ausprobiert hat, will ich es nicht mehr hören. Vielmehr will ich einen
Politiker begrüßen, der an meine Haustür klopft.

Kampagnentrends Nr. 11