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Report Nr. 34
26. Januar 2011

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Dialog im Schlussspurt

In den letzten 72 Stunden des Landtagswahlkampfs 2010 arbeiten die Grünen in Nordrhein-Westfalen durch. Auf einer Onlineplattform beantwortet eine Gruppe von freiwilligen Helfern rund um die Uhr bis zum Schließen der Wahllokale Fragen von Wählerinnen und Wählern. Mehr als 1.700 Fragen werden gestellt und beantwortet.

Meinungsforscher sagen uns, dass mehr und mehr Wähler ihre Wahlentscheidung erst kurz vor dem Gang an die Wahlurne treffen. Die Grünen in Nordrhein-Westfalen setzten daher zur Landtagswahl 2010 ein Team von Freiwilligen im Schichtdienst ein, um in den letzten 72 Stunden vor der Wahl noch Fragen von interessierten Wählern zu beantworten. Auf der von der Berliner Agentur compuccino umgesetzten Onlineplattform »Drei Tage wach« konnten Wähler Fragen stellen, die innerhalb kurzer Zeit von einem der Team-Mitglieder beantwortet wurden.

Die Wahlkampfplattform der Grünen NRW

Das Konzept der Kampagne war schon auf Bundesebene erprobt worden. Der Bundesverband der Grünen hatte »3 Tage wach« schon zur Europa- und Bundestagswahl 2009 eingesetzt. Die nordrhein-westfälischen Grünen setzten die Kampagne jetzt das erste mal auf Landesebene ein. Da in den Bundesländern Themen wie die Bildungspolitik entschieden werden, die vielen Bürgern wichtig sind, nutzte eine große Anzahl von Interessierten das direkte Nachfragen bei der Partei.

Eigendynamik durch freiwilliges Engagement

Die Kampagne lebte vor allem von den rund 50 freiwilligen Helfern, die in den drei Tagen in der Parteizentrale vor Ort waren, Gäste interviewten und Fragen beantworteten. Dadurch entwickelte sich eine so nicht geplante Eigendynamik. Helfer brachten wiederum Freunde und Bekannte mit und freuten sich darüber, gemeinsam etwas erreichen zu können. Die Freiwilligen brachten dabei den Schichtplan durcheinander – denn ihnen machte das Mitmachen so viel Spaß, dass sie teilweise länger in der Parteizentrale blieben, als sie ursprünglich geplant hatten.

Fragen beantworten als Unterhaltungssendung

Einen wichtigen Teil der Plattform stellte der Live-Stream aus der Kampagnenzentrale dar. Über Webcams, die das Geschehen in der Parteizentrale filmten, konnten die Besucher der Internetseite die gesamten 72 Stunden über mitverfolgen, was die Unterstützer vor Ort gerade taten. Die Grünen NRW nutzten den Videokanal aber auch darüber hinaus und luden Spitzenpolitiker der eigenen Partei und Vertreter von Interessenverbänden ein, um mit diesen über die Landtagswahl und die ihrer Meinung nach wichtigen Themen zu sprechen. Die Wähler schätzten die Möglichkeit, in direkten Kontakt mit den Politikern treten zu können.

Die Grünen NRW zeigen damit, dass ein so hohes Engagement nicht nur von bundesweit agierenden Parteien gebracht werden kann, sondern dass auch kleinere Akteure, Parteien auf Landesebene oder Verbände ihre Unterstützer motivieren können. Gerade in der Schlussphase vor einer Abstimmung, wenn die Wähler sich endgültig für ihre Wahlentscheidung informieren, können sie so viel erreichen.