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Report Nr. 40
20. April 2011

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Gesicht zeigen gegen Atomkraft

Als die Bundesregierung im Herbst 2010 die Laufzeitverlängerung deutscher Atomkraftwerke beschließt, tut sie das gegen den Willen der Bevölkerung. Glaubt man den Umfragen, sind zwei von drei Deutschen gegen die Verlängerung. Die Deutsche Umwelthilfe macht mit ihrer Plattform »Wir sind Aussteiger« die Masse der Atomkraft-Gegner und -Kritiker sichtbar und lässt jeden Nutzer mit seinem Porträt und einem kurzen Statement gegen Atomkraft daran teilhaben.

Im Herbst 2010 beschloss die deutsche Bundesregierung, die Atomkraftwerke länger am Netz zu lassen. Innerhalb der Bevölkerung regte sich Protest gegen dieses Vorhaben. Hundertausende gingen auf die Straße, protestierten mit Mahnwachen, Menschenketten und Demonstrationen gegen die Atompolitik der Bundesregierung. Doch trotz der Breite dieser Proteste nahmen an diesen Veranstaltungen nur ein Bruchteil der atomkritischen »Mehrheit in der Bevölkerung« teil, die von den Meinungsforschern ausgemacht worden war. Die restlichen, »stillen Gegner« der Atomkraft zu mobilisieren und sichtbar machen war für die Umweltverbände und andere Organisationen, die sich seit jeher gegen Atomkraft einsetzen, eine schwierige Aufgabe. Denn allein mit der Zahl, dass über 70% gegen Atomkraft waren, ließ sich kaum Emotionen wecken.

Mit dem eigenen Gesicht

Die Internet-Plattform Wir sind Aussteiger

Die Internet-Plattform Wir sind Aussteiger

Daher setzte die Deutsche Umwelthilfe mit »Wir sind Aussteiger« auf eine Internetkampagne, die diese Masse der Unterstützer sichtbar machte. Jeder konnte sich auf der von der Berliner Agentur compuccino umgesetzten Internetseite mit einem Profilbild eintragen und erklären, warum er ein »Aussteiger« ist – also ein Befürworter des Atomausstiegs. Dabei machte die Umwelthilfe es den Nutzern so leicht wie möglich. Sie konnten sich auf Wunsch direkt mit ihren Facebook- oder Twitter-Profildaten anmelden und mussten so nicht noch einmal ein Foto von sich hochladen.

Auch zahlreiche Prominente setzten sich mit ihrem Gesicht für die Kampagne ein. Musiker wie Jan Delay, Schauspieler wie Hannes Jaennicke oder Schriftsteller wie Roger Willemsen traten auf der Plattform mit einem Bild und einer kurzen Erklärung gemeinsam mit allen anderen Teilnehmern in Erscheinung. Die Kampagne zeigte so auf, dass der Widerstand gegen die Atomkraft in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, seien die Unterstützer prominent oder nicht.

Die Nutzer machen die Werbung

Jeder Unterstützer konnte die Seite seinen Freunden bei Facebook oder via Twitter empfehlen und sie auffordern, sich ebenfalls gegen die Laufzeitverlängerung auszusprechen. Die Kampagne war bewusst nicht auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt. Gerade nach den schreckliche Ereignissen in Fukushima im März 2011 konnte sie erneut starken Zuwachs verzeichnen. Mittlerweile sind es mehr als 5.600 Menschen, die mit ihren Gesichtern für einen Ausstieg aus der Atomenergie werben. Da die Deutsche Umwelthilfe außerhalb des Internets kaum für die Kampagne geworben hatte, ist dies ein besonderer Erfolg der Unterstützer, die damit einen deutlichen Anteil am Wachstum der Kampagne haben.