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Report Nr. 7
30. Dezember 2009

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Lokalpolitisches Interesse über das Internet wecken

Eine Initiative junger Leute führt Gleichaltrige an die politischen Themen der Stadt Winterthur heran. Mit ungezwungenen Informationsveranstaltungen jenseits von Parteistrukturen und formellen Zwängen bietet »myWinti« einen Einstieg ins p­olitische Diskutieren und Handeln für junge Winterthurer, die sich für Lokalpoli­tik grundsätzlich interessieren, aber sich bisher nicht einbringen. Interessenten gewinnt die Initiative über internetgestützte Mundpropaganda.

Ein Regierungsmitglied erklärt der myWinti-Gruppe die geplante Erweiterung des Hauptbahnhofs.

Die Initiative myWinti entstand vor knapp einem Jahr. Damals überlegte sich eine Handvoll 20- bis 30-Jähriger in der Schweizer 100.000-Einwohner-Stadt Wintertur, wie sie Gleichaltrige für lokalpolitische Themen und die Teilnahme an Wahlen und »Volksabstimmungen« – den regelmäßig stattfindenden Bürgerentscheiden – gewinnen könnte. Gespräche im Freundeskreis hatten den Ini­tiatoren gezeigt, dass sich auch viele junge Bürger für politisches Mitdenken und Mitgestalten interessieren, aber sich nicht von Beginn weg fest für etwas verpflichten wollen, schon gar nicht für Parteistrukturen – und deshalb vor Lokalpolitik zurückschrecken. Bald war darum klar: Nur ein loses, parteiunabhängiges Netzwerk ohne formelle Mitgliedschaft würde funktionieren können.

Organisation über persönliche Netzwerke

Um Gelegenheiten zur Diskussion zu schaffen und aufzu­zeigen, dass Politik jeden in seinem Alltag betrifft, begann myWinti mit der Organisation von Informationsveranstaltungen. Ein erster Anlass fand im Mai 2009 statt, zur bevorstehenden Volksabstimmung über eine Erweiterung des Hauptbahnhofs.

Über E-Mails und eine Facebook-Gruppe hatten die Initiatoren ihre Freunde zu den Veranstaltungen eingeladen. Einige dieser Freunde verbreiteten die Einladung wiederu­m in ihrem eigenen Freundeskreis. So waren es statt Politikern und Organisationen Leute aus dem eigenen Bekanntenkreis, die jemanden zur politischen Auseinandersetzung einluden. Auf Facebook war für Interessierte zudem ersichtlich, welche der eigenen Bekannten und Freunde auch teilnehmen würden.

Zur Verantaltung inklusive eines Besuchs der Bau-Ausstellung und einer Führung durch das zu erschließende ehemalige Industrieviertel erschienen 75 Teilnehmer. Im Anschluss an die Veranstaltung erhielten alle Gäste – myWinti konnte sie über Facebook und über auf der Veranstaltung gesammtelte E-Mail-Adressen kontaktieren – weitere Infos zur Abstimmung und einen unparteiischen Aufruf zur Wahlteilnahme.

Ohne Budget und Massenmedien

Nach demselben Prinzip hat myWinti seither weitere Veranstaltungen organisiert: E­inen Sommergrillabend mit Parlamentariern, einen politischen Filmabend zusammen mit den Internationalen Kurzfilmtagen Winterthur, einen Besuch einer Moschee und einer Drogenabgabestelle. Das Netzwerk erreicht mittlerweile mehrere hundert junge Winterthurer mit ihren Einladungen und Aufforderungen, ohne eigene Finanzmittel oder massenmediale Präsenz. Das wird sich allerdings ändern: Im Januar plant myWinti eine der größten Podiumsdiskussionen vor der Kommunalwahl – zusammen mit einem Kultur- und Partylokal.