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Report Nr. 27
6. Oktober 2010

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Plakatierhelfer mit Straßenparty mobilisieren

2009 standen in Deutschland innerhalb eines Jahres zwei große Wahlkämpfe an. Nach der Europawahl im Juni mussten die Parteien für die Bundestagswahl im September ihre Aktivisten ein weiteres Mal für einen großen Einsatz gewinnen. Weil das Kleben von Plakaten vielen als besonders undankbare Aufgabe galt, drehte die Grüne Partei in Hamburg hier den Spieß um und machten das Plakatieren zum Party-Event.

Im Sommer 2009 standen die Hamburger Grünen – vor Ort bekannt als Grün-Alternative-Liste (GAL) – vor dem Problem, dass es im Rahmen des Bundestagswahlkampfs einmal mehr galt, mit Hilfe von Wahlplakaten Aufmerksamkeit in der ganzen Stadt zu erzeugen. Jedoch kämpfen die Grünen wie alle anderen Parteien immer wieder mit dem Problem, dass sich nur wenige Mitglieder freiwillig zum Bekleben der Plakatträger meldeten. Anstatt verzweifelt an das Pflichtbewusstsein der hartgesottenen Aktivisten zu appellieren oder Plakatierhelfer zu bezahlen, ging die GAL in die Offensive.

Mobilisierungswerkzeug Internet

YouTube-Video der Plakatierparty

YouTube-Video von der Plakatierparty

Die Grünen organisierten eine öffentliche Plakatier-Straßenparty mitten in einer Hamburger Fußgängerzone. Denn damit konnten die Grünen nicht nur die eigenen Mitglieder und Freiwilligen mobilisierten, sondern zeigten sich gleich allen als lebendige und lebensfrohe Partei, die mitten im Hamburger Leben ihre Tatkraft unter Beweis stellte. Außerdem eröffneten sie mit der Plakatierparty öffentlich die heiße Wahlkampfphase.

Auf den Websites der Partei und der Kandidaten wurde für die Veranstaltung geworben. Zudem starteten Partei, Kandidaten und Aktivisten auf ihren Profilen in den Sozialen Netzwerken Facebook und Twitter Aufrufe. Auf diese Weise verbreitete sich der Termin sehr schnell im persönlichen Umfeld der Grünen. Und so erreichte die Partei nicht nur ihre Mitglieder, sondern auch Personen, die sie über die parteiinternen Telefon- und E-Mail-Listen nicht erreicht hätte.

Live-Aufrufe zur Teilnahme

Am Ort der Party hielten ein Buffet, Getränke und eine Samba-Gruppe die Aktivisten und Gäste bei Laune und zogen Passanten an. Das Wahlkampfhandwerk wurde zum kleinen Volksfest. Weil die Grünen während der vierstündigen Aktion live Bilder auf der Website und vor allem über die Sozialen Netzwerke verbreiteten, stießen sogar kurzfristig noch Leute dazu. Und alle, die zu Hause geblieben waren, bekamen eine Ahnung, was sie gerade verpassten. Einige Aktivisten verschickten vor Ort SMS, um weitere Freiwillige kurzfristig zu mobilisieren.

Mit einem YouTube-Video trug die GAL anschließend die Stimmung in die Partei hinein. Alle Grünen sollten mit den Eindrücken für die letzten Kampagnenwochen motiviert werden. Die Hamburger schafften es so, die Grünen in ganz Deutschland an ihrem Wahlkampf teilhaben zu lassen. Zusätzlich zur Aufmerksamkeit, die die Plakatierparty im Internet erreichte, fand die Aktion auch Eingang in die Berichterstattung der Massenmedien. Andere grüne Stadt- und Ortsverbände erkundigten sich in der Folge interessiert über diese völlig neue Mobilisierungsform, von der sie durch das Internet erfahren hatten.