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Report Nr. 11
24. Februar 2010

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Wie die Grünen ihre Wahlentscheider wecken

Drei Wochen vor den Kommunalwahlen in der Region Zürich haben die Grünen die Mobilisierungsaktion »Mitbestimmen« lanciert. Junge Wähler bestellen sich auf Facebook eine Wahlerinnerung in die Mailbox, aufs Handy oder vor die Haustür. Weil die Wähler das Angebot innherhalb des eigenen Bekanntenkreises selber verbreiten, mobilisieren sie für die Grünen niederschwellig und auf ungezwungene Art die jungen, urbanen Wähler, die sich durch klassische Wahlwerbung nicht an die Urne bringen lassen.

Verschiedene Wahlanalysen haben gezeigt, dass bei Kommunalwahlen in städtischen Gebieten mit ihrer sehr niedrigen Wahlbeteiligung die unter 35-Jährigen für linke und grüne Parteien entscheidende Stimmen liefern. Denn die Wahlbeteiligung der Jungwähler ist tiefer als die des Durchschnitts. Wenn sie aber zur Wahl mobilisiert werden können, wählen sie tendenziell linksgrün – und bereits wenige Stimmen bringen unter diesen Voraussetzungen Sitzgewinne.

Croissants ans Bett bestellen

Facebook-Applikation »Mitbestimmen«

Dieses schlafende Potenzial versucht der Grüne Moritz Zumbühl wortwörtlich zu wecken. Seine Kommunikationsagentur Feinheit hat für die Wahlen vom 7. März in Zürich und einer handvoll Kleinstädte in der Region eine Facebook-Applikation namens »Mitbestimmen« entwickelt. Eine solche »App« ist ein kleines Zusatzprogramm innerhalb von Facebook, das alle Nutzer verwenden können. Die vorwiegend jungen Nutzer des Sozialen Netzkwerks können dort einen politisch neutralen Wahlweckdienst bestellen: Auf Wunsch erhalten sie vor der Wahl eine Erinnerung auf Facebook, als E-Mail, als SMS – oder ein Freiwilliger weckt sie am Wahltag rechtzeitig mit Kaffee und Croissant an der Wohnungstür.

Grüne Wähler finden sich selbst

Über die Applikation sammeln die Grünen detaillierte Kontaktangaben der jungen Wähler, um diese nachher gezielt und verbindlich zur Wahlteilnahme aufzufordern. Vor allem aber hofft Zumbühl, damit den Dünkel der herkömmlichen Parteienwerbung abzuschütteln, dessen die Jungwähler oft überdrüssig sind. Er setzt darauf, dass die Jungen sich Mitbestimmen gegenseitig weiterempfehlen, was teilweise sogar automatisiert geschieht, indem Facebook den Nutzern sichtbar macht, was deren Freunde tun und gut finden. Da die Anhängerschaft der Grünen Partei die Aktion lanciert hat, verbreitet sie sich, der Logik der Sozialen Netzkwerke folgend, größtenteils in linksgrünen Kreisen, so dass die Grünen davon profitieren, ohne »spießig« für sich zu werben oder jemanden zu bedrängen, grün zu wählen. In den ersten Tagen haben sich auf diesem Weg fast 1000 Wähler gefunden, die sich erinnern lassen wollen. Neben der Applikation setzt »Mitbestimmen« zusätzlich auf die bereits vorhandenen Mechanismen von Facebook wie das Erstellen eines Events »Wahlen am 7. März«, zu dem sich die Nutzer Anmelden und ihre Freunde einladen können. In den letzten Tagen vor der Wahl schaltet Mitbestimmen zusätzlich auf Facebook – was dort möglich ist – gezielt Werbung bei jungen Einwohnern der Städte, in denen gewählt wird.

Moritz Zumbühl ist interessiert, den Wahlweckdienst auf Facebook weiterzuentwickeln und tauscht sich gerne über Online-Mobilisierung aus.